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Thema des Tages
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Thema des Tages von Heute den 15.07.2026 - (neu um 11 Uhr) |
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Wetter aktuell
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Wetter aktuell
Vom Scheren und schweren Gewittern
Alljährlich wird beispielsweise Schafen das Fell geschoren - die sogenannte Schafscherung. Jedoch hat das Wort Scherung in der Meteorologie eine vollkommen andere Bedeutung. Hier steht sie mit Gewittern in Verbindung und dieses Phänomen soll im heutigen Thema des Tages näher betrachtet werden.
In der Meteorologie stößt man hin und wieder auf Begriffe, die auch in völlig anderen Bereichen auftauchen können. So wurde im Thema des Tages am 01.07.26 das Wörtchen Cape (oder CAPE) als Aufhänger verwendet. Heute ist es das Wörtchen Scherung. Wer zum Beispiel Interesse an Wolle und deren Gewinnung zeigt, der denkt bei diesem Wort wohl an Schafe, die geschoren werden. Geologen verbinden mit dem Wort riesige tektonische Platten, die aneinander vorbeigleiten und Erdbeben auslösen können. Und Meteorologen? Die denken an Windänderungen, Gewitter, Superzellen und Hagel. Die (Wind-)Scherung beschreibt nämlich in der Meteorologie die Änderung des Windes mit der Höhe. Genau genommen ist die Scherung ein Vektor (oft dargestellt als ein Pfeil). Deshalb sind zwei Angaben wichtig, um ihn vollständig zu beschreiben. Die erste ist der Betrag (die Länge), die zweite die Richtung des Vektors. Normalerweise nimmt der Wind mit der Höhe zu. Je stärker der Betrag der Scherung ist, desto größer ist der Unterschied der Windgeschwindigkeit in Bodennähe zu der in beispielsweise 6 km Höhe. Dagegen beschreibt die "Richtungsscherung" - der Name sagt es schon - wie sich die Windrichtung mit der Höhe ändert. Und was hat das Ganze nun mit Gewittern zu tun? Neben Faktoren wie dem CAPE spielt die (Wind-)Scherung eine wichtige Rolle dabei, welche Arten von Gewittern zu erwarten sind. Wenn sich eine Gewitterzelle bei wenig Windscherung (<10 m/s) entwickelt, steigt die Luft an einem Ort auf und bildet bei einsetzender Kondensation Wolken und später Niederschlag. Dieser Niederschlag und die damit einhergehenden Winde fallen am gleichen Ort herab und wirken dem Aufsteigen entgegen. Solche sogenannten Einzelzellen fallen also oft innerhalb einer Stunde in sich zusammen. Hingegen wird bei ausreichender Windscherung (10-20 m/s) die aufsteigende Luft gegenüber dem Ausgangsort verschoben, da in der Höhe stärkere Winde herrschen, sodass Auf- und Abwind zu einander versetzt sind. Das hat zur Folge, dass sich längerlebige Gewitter bilden können. Wenn noch stärkere Windscherung (>20 m/s) und dazu noch eine Richtungsscherung vorliegt, dann ist das Potenzial gegeben für große, rotierende Gewitter (genannt Superzellen) mit heftigen Begleiterscheinungen bis hin zu Tornados.
Und was für Gewitter sind heute in Deutschland möglich?
Für den Süden sind die Scherungsbedingungen heute günstig. Der Hodograph von der Station in Stuttgart von heute 12 UTC zeigt beispielsweise in 6 km Höhe eine Windgeschwindigkeit von etwa 35 Knoten, in Bodennähe jedoch nur von einigen wenigen Knoten. Die Windscherung zwischen 0 und 6 km kann also grob mit 35 Knoten (~18 m/s) abgeschätzt werden. Im Zusammenspiel mit anderen Parametern hatte das zur Folge, dass entschieden wurde, eine Vorabinformation vor schweren Gewittern herauszugeben. Im Laufe des Nachmittags und des Abends können sich ausgehend von der Schwäbischen Alb Superzellen entwickeln. Die Gefahren sind dementsprechend vielfältig. Hagelkorndurchmesser um 5 cm ähnlich dem eines Golfballs, Orkanböen bis 120 km/h und heftiger Starkregen bis 40 l/m² innerhalb kurzer Zeit sind bei den schwersten Gewittern durchaus im Bereich des Möglichen! Daher gilt: Haben Sie immer mal wieder ein Auge auf die aktuellen Warnungen oder auch das Wetterradar. So können Sie abschätzen, ob ein starkes Gewitter gefährlich nahekommt oder ob der Aufenthalt im Freien kein Problem darstellt.
M.Sc. Fabian Chow
Deutscher Wetterdienst Vorhersage- und Beratungszentrale Offenbach, den 15.07.2026
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst
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Thema des Tages - Gestern
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Thema des Tages von Gestern den 14.07.2026 |
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Vom Höhenei bis hin zu schweren Gewittern
Teils schwere Gewitter mit heftigem Starkregen und großem Hagel haben am gestrigen Montag über Teilen Norddeutschlands für schwere Schäden gesorgt. Auch heute sind erneut unwetterartige Gewitter möglich - wo und wie stark, soll daher das Thema des Tages sein.
Schwere Gewitter, darunter zeitweise auch rotierende Superzellen, haben am gestrigen Montagabend bis in die Nacht zum Dienstag hinein für Chaos in Norddeutschland gesorgt, bei dem auch die Region Hannover stark betroffen war. Innerhalb kürzester Zeit fielen um und über 25 l/m², was zu größeren Überflutungen führte. Andernorts sorgte Hagel mit 3-5 cm Durchmesser für Schäden an Vegetation, Autos und der Infrastruktur.
Nach den Unwettern ist jedoch vor den neuen Unwettern, denn an der Großwetterlage hat sich bis heute wenig geändert. Beim Blick auf die Bodenwetterkarte fällt das großräumige Hoch LAURENT über dem Nordwesten Europas auf, das bis nach Deutschland ragt. Auf der anderen Seite steht schwacher Tiefdruckeinfluss über Frankreich entgegen, was aber insgesamt nur zu schwachen Luftdruckgegensätzen führt.
Spannender ist dagegen ein Blick in rund 5,5 km Höhe: Hier sieht man ein umher waberndes Höhentief, dessen Zugbahn von den Modellen nur schwer erfasst werden kann. Es ist ein bisschen wie mit dem Fettauge in der Suppe: Es ist da, aber kleinste Impulse reichen für eine unvorhergesehene Verlagerung. Ebenso könnte man dieses Gebilde auch einfach als Höhenei bezeichnen.
Dieses Höhentief war es gestern und ist es federführend auch heute, das die notwendige Hebung erzeugt, die zwingend für hochreichende Konvektion erforderlich ist. "Garniert" wird diese Gemengelage mit CAPE-Werten (siehe hierzu das Thema des Tages vom 01.07.2026 (LINK 1)) von rund 1.000 bis lokal 2.000 J/kg, die vor allem vom südlichen Niedersachsen bis zu den Alpen überregional zu finden sind. Die größte Feuchte jedoch liegt von der östlichen Mitte bis in den Süden vor, hier erreichen die Werte des niederschlagbaren Wassers bis zu 35-37 mm.
Fehlt zu guter Letzt noch das "i-Tüpfelchen", nämlich die Windscherung, also die Änderung des Windes mit der Höhe in Richtung und Geschwindigkeit. Hier wird deutlich, dass die besten Scherungsbedingungen vor allem von Hessen/Thüringen bis nach Franken, teils aber auch weiter südlich zu finden sind. Gegen Abend verstärkt sich diese mit einer zunehmenden Nordostströmung sogar noch etwas und erreicht Werte bis 25 m/s.
Ergo kommt auch die Modellwelt zu dem Schluss, dass heute mit hochreichender, schwerer Konvektion sprich (unwetterartigen) Gewittern gerechnet werden muss. Diese bilden sich bereits ab dem frühen Nachmittag zunächst bevorzugt in bergigen Lagen der Mitte, um dann nach Lesart der deutschen Modellkette rund um ICON-D2 und ICON-RUC mehr und mehr in den Osten und Süden zu ziehen. Einzelne "Nachzügler" sind aber spätabends noch immer über der Mitte möglich.
Bei den Begleiterscheinungen steht heute vor allem der Starkregen im Fokus, der lokal bis zu 40 l/m², strichweise sogar zwischen 40 und 60 l/m² erreichen kann. Dazu kommen Sturmböen oder schwere Sturmböen zwischen 70 und lokal um 100 km/h. Vor allem im Initiierungsprozess eines Gewitters kann auch größerer Hagel über 3 cm dabei sein, später ist mit größeren Hagelansammlungen zu rechnen.
Am morgigen Mittwoch beruhigt sich das Wetter zwar über der Landesmitte, dem Süden drohen vor allem nachmittags und abends abermals starke Gewitter bis hin zu ausgewachsenen Unwettern. Mehr dazu im Laufe des Mittwochs.
M.Sc.-Met. Oliver Reuter
Deutscher Wetterdienst Vorhersage- und Beratungszentrale Offenbach, den 14.07.2026
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst
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