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Thema des Tages
Thema des Tages von Heute den 22.10.2021 - (neu um 11 Uhr)
Nach dem Sturm kehrt Ruhe ein
 
 

Der Sturm vom gestrigen Donnerstag ist vorüber - Zeit für eine Bilanz. Außerdem werfen wir einen kurzen Blick auf das Wetter der kommenden Tage, das sich in deutlich ruhigerem Fahrwasser bewegt.

Am gestrigen Donnerstag hielt uns der erste ausgewachsene Herbststurm des Jahres ganz schön in Atem. Ursache war ein kräftiges Sturmtief, das sich von Mittwochabend bis Donnerstagmittag rasch von Cornwall über die Ostfrischen Inseln nach Südschweden verlagerte. Durch die starken Druckunterschiede an der Südwestseite des Tiefs entstand ein ausgeprägtes Sturmfeld, das quer über die Mitte Deutschlands von West nach Ost durchzog. Der Sturm ging bereits am frühen Morgen im Westen los, am Mittag erreichten die stärksten Böen dann den Osten Deutschlands. Fast das gesamte Bundesgebiet wurde ordentlich durchgepustet, eine satirische Online-Platform rief mit Augenzwinkern sogar Personen mit Segelohren dazu auf, das Haus nicht zu verlassen. Nur am unmittelbaren Alpenrand und teils auch im norddeutschen Binnenland ging es etwas ruhiger zu. Im windgeschützten Garmisch-Partenkirchen wehte meist nur ein laues Lüftchen, mit 41 km/h erreichte die stärkste Windböe des Tages gerade einmal Beaufort 6 (starke Böe). Aber auch Itzehoe im sonst so winderprobten Schleswig-Holstein kam mit 47 km/h nicht über Windstärke 6 hinaus.

Im großen Rest des Landes blies allerdings über mehrere Stunden hinweg ein starker Südwestwind, sodass Leute mit Langhaarfrisuren wohl trotz Anwendung von "Drei Wetter Taft" zerzauste Haare bekamen. Das Diagramm in beigefügter Abbildung bezieht sich auf die maximal gemessenen Böen an DWD-Wetterstationen am gestrigen Donnerstag. Über 80% der Stationen meldeten Böen mit Windgeschwindigkeiten von mindesten 75 km/h, wobei an 38% der Wetterstationen als Spitzenböen Sturmböen (Beaufort 9, 75-88 km/h) und an weiteren 28% sogar schwere Sturmböen (Beaufort 10, 89-102 km/h) gemessen wurden. Das sind durchaus beachtliche Werte für einen Sturm zu dieser Jahreszeit.

Doch damit war noch nicht das Ende der Fahnenstange erreicht (von denen in Deutschland wohl auch ein paar zum Opfer fielen). Immerhin rund 11% der Windmasten des DWD-Messnetzes registrierten als Windspitzen sogar orkanartige Böen (Beaufort 11, 103-117 km/h). Das betraf bei weitem nicht nur die exponierten Lagen der Mittelgebirge. Vor allem in einem breiten Streifen über der Mitte Deutschlands, ausgehend vom Saarland und dem südlichen Rheinland-Pfalz über Südhessen und Unterfranken bis nach Thüringen, das südliche Sachsen-Anhalt und Sachsen traten schwere Sturmböen und orkanartige Böen vermehrt bis ins Flachland auf (siehe Karte in der Abbildung). So wurden in Trier-Petrisberg 116 km/h, in Würzburg 113 km/h und in Chemnitz 109 km/h gemessen, um nur einige Beispiele zu nennen. Aber auch abseits dieses Hauptsturmfelds kam es vereinzelt zu orkanartigen Böen wie in Wuppertal mit 117 km/h.

Immerhin an knapp 4% der DWD-Stationen wurden sogar Orkanböen (Beaufort 12, >118 km/h) aufgezeichnet, wobei sich diese mit Ausnahme von Dresden-Klotzsche (119 km/h) auf die Kammlagen der Mittelgebirge beschränkten. Spitzenreiter waren hierbei wie so oft der Feldberg im Schwarzwald mit 166 km/h und der Brocken mit 151 km/h.

Der beachtliche Herbststurm blieb natürlich nicht folgenlos. Große Äste oder ganze Bäume fielen zu Boden und es türmte sich das herabgewehte Herbstlaub am Boden. Straßen waren durch Bäume, umgerissene Straßenschilder und Baugerüste blockiert, teils kippte der Sturm sogar fahrende LKWs um. In manchen Orten fiel zeitweise der Strom aus und auch das obligatorische Bahnchaos lies in einigen Regionen nicht lange auf sich warten.

Nun ist der Sturm aber erstmal vorbei und die Atmosphäre gönnt sich eine gewisse Ruhephase. Am heutigen Freitag weht zwar in der Nordosthälfte nochmals ein ruppiger Wind mit stürmischen Böen, bei kräftigen Schauern sind vereinzelt auch schwere Sturmböen nicht ausgeschlossen. Ab dem Wochenende ist es damit aber vorbei. Hoch "Quedlinburga" macht sich auf den Weg nach Mitteleuropa. Sie scheint eine recht ruhige und etwas verträumte Zeitgenossin zu sein. Auf der einen Seite sorgt sie für viel Sonnenschein am Wochenende (insbesondere am Sonntag), andererseits aber auch für morgendliche Nebelfelder in den Niederungen, die sich jedoch am Vormittag meist auflösen sollten. Zum Beginn der neuen Woche verabschiedet sich "Quedlinburga" zwar schon wieder aus Deutschland und zieht weiter nach Osteuropa. Trotzdem geht es in der kommenden Woche wettertechnisch ruhig weiter. Es stellt sich nämlich eine antizyklonale Westlage ein. Wir gelangen damit wieder in eine westliche Strömung, die recht milde Meeresluft zu uns führt. Der Süden profitiert dabei vom nach Norden verschobenen Azorenhoch, welches über eine Hochdruckbrücke Kontakt mit "Quedlinburga" aufnimmt. Somit kommt zeitweise die Sonne zum Vorschein und Regen ist Mangelware. Der Norden kommt bei dieser Wetterlage meist nicht so gut weg. Dort ziehen immer wieder schwache Frontensysteme mit Wolkenfeldern und zeitweiligem Regen durch. Wind ist aber nur ganz im Norden und insbesondere an den Küsten ein Thema. Der nächste Sturm lässt also erst einmal auf sich warten.

Dr. rer. nat. Markus Übel (Meteorologe) Deutscher Wetterdienst Vorhersage- und Beratungszentrale Offenbach, den 22.10.2021

Copyright (c) Deutscher Wetterdienst

 
 
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Thema des Tages - Gestern
Thema des Tages von Gestern den 21.10.2021
  Klimaänderung anhand der Temperatur am Hohenpeißenberg  
     
 

Klimaänderung, Ahr-Hochwasser oder Fridays for Future sind große Themen in Medien, Politik und Gesellschaft. In diesen Tagen findet in Glasgow die 26. UN Klimakonferenz statt. Der Nobelpreis für Physik wurde an die Klimaforscher Klaus Hasselmann und Syukuro Manabe, und an den Mathematiker Giorgio Parisi verliehen. Vor ein paar Wochen erschien der 6. Assessment Report des Intergovernmental Panel on Climate Change. Die Reduktion von Treibhausgasen und die Milderung von Auswirkungen der Klimaänderung sind gewaltige Aufgaben für die nächsten Jahre und Jahrzehnte.

Auf dem Hohenpeißenberg werden seit 1. Januar 1781 durchgehend meteorologische Messungen durchgeführt, bis November 1936 im Pfarrgebäude, seit April 1940 im Observatoriumsgelände. Die Hohenpeißenberger Temperaturmessreihe, von Januar 1781 bis heute, gehört damit zu den längsten weltweit. Sie zeigt deutlich, dass die mittlere Temperatur seit etwa 1980 kontinuierlich ansteigt (vgl. Abb. 1 in Grafik unten oder unter www.dwd.de/DE/wetter/thema_des_tages/2021/10/21_Bild.png). Heute ist es auf dem Hohenpeißenberg rund 2°C wärmer als früher.

Ein neuer GAW (Global Atmosphere Watch)-Brief, der nachfolgend in diesem Thema des Tages wiedergegeben wird, verdeutlicht die Klimaänderung anhand dieser Daten.

[Hinweis: Der nachfolgende Text entstammt dem GAW-Brief Nr. 80 vom 19. Oktober 2021, der vom Meteorologischen Observatorium Hohenpeißenberg herausgegeben wird und unter https://www.dwd.de/DE/service/newsletter/form/gaw-brief/gaw-brief_nod e.html kostenfrei abonniert werden kann.]

Abbildung 1 (siehe Grafik unten oder unter www.dwd.de/DE/wetter/thema_des_tages/2021/10/21_Bild.png) zeigt die Klimaänderung anhand der 240 Jahre langen Hohenpeißenberger Messreihe der Temperatur (blaue Kurven). Die Jahresmitteltemperatur hat in den letzten Jahrzehnten gegenüber dem Zeitraum 1781 bis 1960 um rund 2°C zugenommen. Ab 1980 ist der Anstieg besonders deutlich. Ähnliche Anstiege zeigen die mittlere Temperatur über Deutschland (rosa Kurven, ab 1881) und die weltweite Mitteltemperatur (grüne, rote und lila Kurven). Die Temperatur am Hohenpeißenberg ist sogar etwas stärker angestiegen als über Deutschland. Beide sind deutlich mehr angestiegen als die weltweite Temperatur. Am Hohenpeißenberg lag das langjährige Mittel der Jahre 1990 bis 2020 um +1.7°C oberhalb des Mittels der Jahre 1781 bis 1960. Das Mittel der letzten Jahre lag sogar +2.6°C höher (gestrichelte blaue Linien).

Was aber bedeuten 2°C Temperaturänderung? Von Tag zu Tag, vom frühen Morgen zum Nachmittag hin, oder im Verlauf eines Jahres treten doch viel größere Temperaturschwankungen auf. Drei Beispiele zeigen, dass 2°C Änderung der mittleren Temperatur drastisch sind: In der letzten Eiszeit lag die globale Mitteltemperatur lediglich 6°C niedriger als im letzten Jahrhundert. 2°C mehr in Deutschland bedeuten längere Wachstumsperioden, z.B., dass Bäume heute 2 Wochen früher blühen und austreiben. (Leider erhöht die frühere Blütezeit auch die Gefahr von Nachtfrösten). Temperaturen in Süddeutschland sind heute so, wie früher südlich der Alpen in Italien. Gefährlich ist dabei weniger die Änderung der mittleren Temperatur (oder des Niederschlags), sondern mehr die Zunahme extremer Temperaturen (oder extremer Ereignisse). Beim mittleren Niederschlag läuft ein Bach nicht über, wohl aber, wenn es extrem viel regnet. Nicht die mittlere Temperatur belastet Menschen und Pflanzen, sondern ungewöhnliche Hitze und Kälte.

Deswegen zeigt Abbildung 2a anhand von Über- und Unterschreitungshäufigkeiten, wie oft am Hohenpeißenberg besonders warme oder kalte Tage vorkommen. Die meisten Tage liegen zwischen -5°C und +20°C. Früher (1781 bis 1960, ~65000 Tage) lag die Tagesmitteltemperatur an 20% aller Tage über 13.5°C, an weniger als 2% aller Tage über 20°C (rosa Kurve). Heute (1990 bis 2020, ~11000 Tage) treten Tagesmittel wärmer als 15°C an rund 20% aller Tage auf, wärmer als 20°C an mehr als 5% aller Tage (rote Kurve). Dabei hat sich die Überschreitungshäufigkeit ziemlich genau um +1.7°C zu höheren Temperaturen verschoben (rote und die rosa gestrichelte Kurve fast gleich). Die Verschiebung entspricht der Zunahme des langjährigen Mittelwerts in Abbildung 1.

Bei kalten Tagen hat sich die Häufigkeit ebenfalls verschoben (hellblaue und dunkelblaue Kurven), wobei besonders kalte Tage, kälter als -7°C, noch stärker abgenommen haben, als nach Verschiebung der alten Kurve zu erwarten (blaue Kurve unterhalb der gestrichelten hellblauen Kurve). Waren früher 2.4% aller Tagesmittel kälter als ?10°C, so trifft das heute nur noch für 1% der Tage zu.

Abbildung 2b verdeutlicht, wie dramatisch sich die Über- und Unterschreitungshäufigkeiten von früher auf heute geändert haben. Tage wärmer als 20°C kommen heute mehr als 2-mal so häufig vor wie früher, Tage wärmer als 25°C mehr als 6-mal so oft (Abb. 2b, rote Kurve). Bei kalten Tagen sind die Veränderungen noch größer (Abb. 2b, blaue Kurve): Tage kälter als -5°C kamen früher 1.6-mal häufiger vor als heute, Tage kälter als -15°C kamen früher 3 bis 10-mal häufiger vor. Sehr kalte Tage, kälter als -18°C, gibt es heute praktisch nicht mehr.

Alle Klimasimulationen sagen weiter steigende Temperaturen vorher und lassen in Zukunft nochmal deutlich mehr warme Tage erwarten und deutlich weniger kalte Tage, als in Abbildung 2 schon für den Zeitraum 1990 bis 2020 (und den "kalten" Hohenpeißenberg mit fast 1000 m Höhe) erkennbar. Anpassung an diese Veränderungen und Reduktion der verursachenden Treibhausgas-Emissionen sind enorme, weltweite Aufgaben für die nächsten Jahre und Jahrzehnte.



Dr. Wolfgang Steinbrecht, Dr. Werner Thomas, Dipl.-Ing. Thomas Elste (DWD Hohenpeißenberg) Deutscher Wetterdienst Vorhersage- und Beratungszentrale Offenbach, den 21.10.2021

Copyright (c) Deutscher Wetterdienst

 
 
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