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Thema des Tages von Heute den 22.07.2024 - (neu um 11 Uhr)
Wetter aktuell
 
 

Wetter aktuell

Südeuropa ächzt unter anhaltender Hitze



Südeuropa wird derzeit von einer anhaltenden Hitzewelle heimgesucht. Erste Folgen in Form von Trockenheit und Waldbränden sind bereits ersichtlich. Zudem müssen sich bei den hohen Temperaturen auch Touristen auf Einschränkungen einstellen.



Seit Anfang Juli wird der Süden Europas von extremer Hitze heimgesucht, kurze kühlere Phasen gab es bislang nur wenige. Von Portugal und Spanien über Italien, die Balkanregion bis hin zu Griechenland und der Türkei werden derzeit Tageshöchstwerte über 30°C gemessen, lokal steigt das Thermometer sogar auf über 40°C, wie in Abbildung 1 anhand der lila eingefärbten Flächen der heutigen Temperaturvorhersage ersichtlich ist. Aber auch die Regionen in Nordafrika und im Nahen Osten wie Israel, Libanon und Syrien leiden derzeit unter anhaltender Hitze.

Grund für die Hitzewelle ist der anhaltende Zustrom von sogenannter ?kontinentaler Tropenluft?. Dabei handelt es sich um heiße und sehr trockene Luft, die ihren Ursprung auf dem nordafrikanischen Kontinent hat und auf der Vorderseite nordostatlantischer Tiefdruckgebiete nach Süd- und Südosteuropa geführt wird. In dieser trockenen kontinentalen Luft bilden sich kaum Niederschläge, weswegen sich zu den hohen Temperaturen auch Trockenheit einstellt.

In den Medien kursiert in Bezug auf die dort anhaltende Hitze derzeit häufiger der Begriff ?Heat Dome? (auf Deutsch: Hitzeglocke oder Hitzekuppel). Der Begriff wurde insbesondere bei der Hitzewelle in Nordamerika im Jahr 2021 von US-amerikanischen Journalisten geprägt und ist wissenschaftlich wohl nicht genauer definiert. Bei dieser Hitzewelle wurden in Kanada Rekordtemperaturen von knapp 50°C registriert.

Wie entsteht ein solcher "Heat Dome"?

Vereinfacht ausgedrückt fließt zunächst einmal warme bis heiße Luft in eine Region ein. Zur Ausbildung einer Hitzeglocke muss sich in der Folge ein ausgedehntes Hochdruckgebiet ausbilden, welches die eingeflossene Luft einschließt und zum Absinken zwingt. Es entsteht sozusagen ein abgeschlossenes System. Durch den Absinkprozess wird zum einen die Wolken- und Niederschlagsbildung unterdrückt, zum anderen wird die Luft komprimiert und kann sich in Kombination mit der Sonneneinstrahlung deutlich erwärmen, was wiederum zu weiter steigenden Temperaturen führt. Das Hochdruckgebiet ist dabei recht stabil und hält so Tiefausläufer zumindest über einen gewissen Zeitraum davon ab, die erwärmte Luft aus der Region zu verdrängen. Dabei trocknet in der Folge zunehmend der Boden aus, der sich dann wiederum noch weiter aufheizen kann.

Zwar gibt es durchaus Gemeinsamkeiten der aktuellen Wetterlage in Südeuropa mit einem "Heat Dome", beispielsweise in der zeitlichen Andauer der hohen Temperaturen. Dennoch fehlt es an einem ausgedehnten, blockierenden Hochdruckgebiet, das die heiße Luft einschließt und weiter absinken lässt. Nichtsdestotrotz sollte die Hitze mit Tageshöchstwerten von knapp über 40°C, die heute örtlich in Portugal, Spanien, Griechenland und der Türkei erwartet werden, nicht unterschätzt werden.

Denn die Folgen der Hitze sind bereits spürbar und zwingen die betroffenen Regierungen zum Handeln. In einigen Ländern, darunter Bulgarien, Griechenland, Türkei, Kroatien und Nord-Mazedonien sind Waldbrände ausgebrochen. Im Süden Spaniens und Portugals setzt sich die seit Januar andauernde Dürre weiter fort. Auf Sizilien warnt der italienische Wetterdienst mit der höchsten Hitzewarnstufe. Zudem sind Sonderregelungen in Kraft, um die Bevölkerung vor den Auswirkungen wie Dehydration und Hitzeschlag zu schützen. Auf Sizilien gilt bis Ende August an besonders heißen Tagen am Nachmittag ein Arbeitsverbot. In Griechenland bleiben hingegen touristische Attraktionen wie z.B. die Akropolis tagsüber geschlossen.

Wie geht es nun in den kommenden Tagen weiter?

In der Balkanregion und in nördlicheren Teilen Italiens ziehen heute und in den kommenden Tagen einige kräftige Schauer und Gewitter auf. Zudem kommt im Laufe der Woche ein Schwall kühlerer Atlantikluft über Mitteleuropa, Italien und die Balkanregion womöglich bis nach Griechenland voran. Allerdings sorgt dies nur gebietsweise und höchstens kurzzeitig für etwas Entspannung. Ab Sonntag prognostizieren die Wettermodelle einen erneuten Schwall kontinentaler Tropenluft, der aus Nordafrika nach Südeuropa geführt wird. In Spanien und Portugal sowie in der Türkei kommt die Abkühlung voraussichtlich erst gar nicht an. Im Gegenteil: Auf der Iberischen Halbinsel wird zu Beginn der neuen Woche sogar ein sich ausbildendes Hochdruckgebiet vorhergesagt. Möglicherweise kann sich dort dann "endlich" auch ein "Heat Dome" ausbilden. Ein Ende der Hitzewelle ist derzeit also noch nicht abzusehen!

MSc.-Met. Sebastian Schappert

Deutscher Wetterdienst Vorhersage- und Beratungszentrale Offenbach, den 22.07.2024

Copyright (c) Deutscher Wetterdienst

 
 
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Thema des Tages - Gestern
Thema des Tages von Gestern den 21.07.2024
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Wetter aktuell

Rekordregenreiche Zwölf-Monats-Periode



Von August 2023 bis Juli 2024 hat es so viel Niederschlag gegeben wie noch nie in diesem Zeitraum seit Messbeginn im Jahre 1881. Dies hatte mehrere; teils überregionale; Hochwasserereignisse zur Folge.



Auch wenn noch einige Tage fehlen, steht schon jetzt fest, dass im Zeitraum vom 1. August 2023 bis zum 31. Juli 2024 (bisweilen auch als "Winterjahr" bezeichnet) so viel Niederschlag gefallen sein wird wie noch nie zuvor in Deutschland seit Beginn regelmäßiger und flächendeckender Messungen im Jahre 1881. Bis einschließlich des gestrigen Samstags (20. Juli 2024) sind im deutschlandweiten Mittel in diesem Zeitraum rund 1030 mm Niederschlag gemessen worden. Das entspricht etwa 130% der durchschnittlichen Niederschlagsmenge von 791 mm in der aktuellen Vergleichsperiode von 1991-2020. Eine Abweichung von knapp einem Drittel zum vieljährigen Mittel (obwohl die Periode noch nicht einmal zu Ende ist) in einem Zeitintervall von einem Jahr ist sehr bemerkenswert und bisher beispiellos.

Zeitlicher Verlauf der Niederschläge

Nach einem bereits recht nassen Juli war auch der August letzten Jahres mit 123 mm (158%) ein ungewöhnlich regenreicher Sommermonat. Deutlich weniger Regen kam im September 2023 vom Himmel. Mit nur 33 mm (52%) war dies auch der trockenste Monat in der betrachteten Zwölf-Monats-Periode. Es folgten fünf überdurchschnittlich nasse Monate in Folge, beginnend mit einem regenreichen Oktober, in dem im deutschlandweiten Flächenmittel 101 mm (159%) verzeichnet wurden. Weiter ging es mit dem zweitniederschlagreichsten November seit Messbeginn. Mit 124 mm kam rund das Doppelte der üblichen Monatsmenge vom Himmel. Nach diesen beiden Herbstmonaten erlebten wir den viertnassesten Winter seit 1881. Vor allem der Dezember setzte die ungewöhnlich niederschlagreiche Witterung fort. Die Niederschlagsmenge summierte sich auf 120 mm (170%), von der ein beachtlicher Teil in der zweiten Monatshälfte fiel. Auch die Monate Januar (75 mm, 116%) und Februar 2024 (81 mm, 152%) präsentierten sich überdurchschnittlich nass.

Erst der März war seit langer Zeit mal wieder ein Monat mit einem Defizit im deutschlandweiten Mittel (46 mm, 80%). Dies sollte aber nicht das Ende der regenreichen Witterungsperiode darstellen. Schon der darauffolgende April fiel mit 64 mm erneut überdurchschnittlich nass aus (144%). Darauf folgte schließlich der drittnasseste Mai der letzten 143 Jahre. Stolze 118 mm (169%) wurden in Deutschland verzeichnet.

Der Juni fügte sich nahtlos an und war mit 89 mm (118%) erneut zu regenreich. Vor allem zum Monatswechsel Mai/Juni wurden in Teilen Süddeutschlands extreme Dauerregenfälle beobachtet. Im aktuellen Juli kamen bisher rund 55 mm zusammen. Ein Blick auf die Prognosen zeigt, dass bis Monatsende verbreitet noch zwischen 10 und 30 mm Niederschlag dazukommen sollen, im Alpenvorland teils auch deutlich mehr.

Vergleich mit früheren Jahren

Vergleicht man die diesjährige Zwölf-Monats-Periode (im Folgenden als "Winterjahr" bezeichnet) mit früheren, wird deutlich, wie ungewöhnlich der Niederschlagsüberschuss sein wird. Noch nie zuvor seit Messbeginn im Jahre 1881 hat es in diesem Zeitraum über 1000 mm Niederschlag gegeben. Das bisher nasseste Winterjahr war 1960/61 mit 993 mm Niederschlag (126%), welches wir bereits zum heutigen Tage um etwa 35 mm übertroffen haben. Ein weiteres regenreiches Winterjahr war 1925/26 mit 967 mm (122%). Letztmalig über 900 mm wurde im Winterjahr 2006/07 verzeichnet (930 mm, 117%). Als Kontrastprogramm kam im bisher trockensten Winterjahr nur etwa halb so viel Niederschlag vom Himmel. Von August 1933 bis Juli 1934 wurden lediglich dürftige 533 mm registriert und damit nur etwa zwei Drittel der sonst üblichen Menge in diesem Zeitraum.

Auswirkungen der hohen Niederschlagsmengen

Die hohen Niederschlagsmengen im Winterhalbjahr hatten und haben sowohl positive als auch negative Auswirkungen auf die Natur. Es ist wenig verwunderlich, dass bei derart großen Regenmengen Hochwasserereignisse nicht ausblieben. Vor allem sehr intensive Regenfälle in der Woche vor Weihnachten 2023 ließen die Pegel in vielen Teilen Deutschlands ansteigen und Talsperren überlaufen. Ein massives Weihnachtshochwasser an mehreren Flüssen, insbesondere in Niedersachsen, war das Resultat. Neben diesem überregionalen Hochwasserereignis gab es im Winterhalbjahr wiederholt Hochwasser, die allerdings nicht so großflächig auftraten und damit weniger in die Schlagzeilen gerieten.

Mitte Mai brachte ein stationäres Tief dem Südwesten Deutschlands langanhaltende und intensive Regenfälle. Vor allem vom Saarland bis zur Pfalz summierte sich die Regenmenge auf 80 bis 120 mm, was an etlichen Bächen und Flüssen in dieser Region; unter anderem der Saar; zu einem großen bis sehr großen Hochwasser führte. An einigen Pegeln wurden die Marken eines 100-jährlichen Hochwassers zum Teil deutlich übertroffen.

Anfang Juni kam es schließlich in Süddeutschland zu einem Jahrhunderthochwasser. Eine sogenannte Vb-Wetterlage (sprich: Fünf-b) brachte dem Süden Bayerns und Baden-Württembergs zum Monatswechsel und Anfang Juni extreme Regenfälle. Verbreitet wurden innerhalb von nur vier Tagen 100 bis 200 mm, am Alpenrand lokal sogar um 300 mm Niederschlag gemessen. Entsprechend verheerend waren die Auswirkungen: Überflutete Straßen und Ortschaften, Dammbrüche, Murenabgänge, zahlreiche Evakuierungen, gesperrte Bahnstrecken und leider auch mehrere Vermisste und Tote. An vielen Flüssen südlich der Donau wurden 100-jährliche Pegelmarken überschritten und auch entlang der Donau kam es zu einem großen Hochwasser.

Der erhebliche Niederschlagsüberschuss hat aber auch positive Effekte. Nach vielen Jahren mit sehr niedrigen Grundwasserspiegeln hat sich die Lage in diesem Winter endlich wieder entspannt. Ähnlich sieht es mit der Bodenfeuchte aus. Die seit 2018 andauernde historische Dürreperiode wurde beendet. In allen Bodenschichten ist nun wieder ausreichend Wasser vorhanden. Die Vegetation, insbesondere auch die Wälder, können davon profitieren.

Dr. rer. nat. Markus Übel

Deutscher Wetterdienst Vorhersage- und Beratungszentrale Offenbach, den 21.07.2024

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